Ernte-Tour 2018, Tag 1: Süßkirschen

Sommer 2018: Unsere Ernte-Reporter sind wieder unterwegs – und starten dieses Jahr in Sachsen-Anhalt bei den Süßkirschen. Sie erleben, warum das Obst in der Toskana des Ostens so gut gedeiht und wie man die reifen Früchte von den Zweigen erntet. Am Ende wartet eine Kirsch-Attacke dreifacher Art auf sie – hier der Reisebericht von Christian Pretzlaw.

Deutsches Obst und Gemüse Erntetour Tag 1

Die Süßkirschen sind reif!

Man ist das warm gewesen in den letzten drei Monaten, wir haben erst Mitte Juni und die Süßen Kirschen sind schon reif! Na dann fahren wir eben ein paar Wochen früher als geplant ins schöne Mansfelder Land westlich von Halle/ Saale, um auf dem Obsthof in Aseleben die leckeren Knupper zu ernten. Schön ist es hier, leicht geschwungene Hügelketten ziehen sich durchs Land, von den Einheimischen auch die „Toskana des Ostens“ genannt, kein Wunder: hier gedeihen auch Aprikosen und Wein – Früchte die so hoch im Norden selten anzutreffen sind.

Anbaugebiet am Süßen See Am Süßen See: Hier wachsen die Süßkirschen von Philipp Moser

Auf dem Obsthof am Süßen See

In Aseleben erreichen wir den Obsthof am Süßen See, direkt an der B 80 und parken vor dem Hofladen, in dem auch morgens schon das Geschäft brummt. Hier sind wir mit Philipp Moser verabredet. Der Geschäftsführer des Hofes zeigt uns heute, wie man richtig tolle Kirschen erntet. Und da ist er schon und kommt gleich zum Thema. „Wir ernten hier auf ca. 230 ha das Jahr über Äpfel, Pflaumen, Birnen, Süßkirschen und Wein. Heute sind die Süßkirschen dran“, erklärt uns Philipp und zeigt auf das gegenüberliegende Ufer des Sees. „Da drüben zeige ich euch mal, wie und wo die Königin der Süßkirschen geerntet wird.“

Erntetour Süßkirschen In drei bis vier Metern Höhe werden die Kirschen vom Baum geerntet

Und während wir nun im Auto um die idyllische Südspitze des Sees herum fahren, frage ich Philipp, wieso in dieser Gegend das Obst so gut gedeiht. „Wir liegen hier im Regenschatten des Harzes, deshalb ist das Mansfelder Land relativ trocken, es regnet hier viel seltener, vor allem dann, wenn die Früchte an den Bäumen reifen. Bei fast reifen Kirschen wären starke Niederschläge verheerend, die vertragen Regen überhaupt nicht, sie platzen auf oder bekommen Pilze.“

Da haben wir die Plantage auch schon erreicht und steigen aus. Die Erntehelfer sind schon längst bei der Arbeit und füllen, auf stabilen Leitern stehend, ihre Eimer mit frischen Süßkirschen.

Erntetour Tag 1 Süßkirschen im Mansfelder Land Wirklich schön hier am Süßen See
Eimer in der Hand Ruck zuck ist der Eimer der fleißigen Erntehelfer voll mit frischen Kirschen...

Hoch hinaus für eine reiche Ernte

Kirschbaumreihen führen den leicht ansteigenden Hang hinauf und wunderschöne Früchte funkeln in der Sonne büschelweise wie tiefrote Rubine. Da will ich doch auch mal auf die Leiter und sehen wie das Ernten geht. Sehr hoch sind die 3-4 Meter nicht, aber aufpassen muss man schon, die schwere Leiter so aufzustellt, dass sie sicheren Halt gibt.

Christian erntet Kirschen ...bei Christian dauert es etwas länger

Philipp zeigt mir jetzt, wie man die Kirschstiele sauber von den Zweigen dreht. „Nicht reißen, nicht die Stelle verletzen, damit im nächsten Jahr die nächsten Blütentriebe genau da wieder heraus kommen können.“

Prall und lecker: Die Süßkirschen am Baum, hier die Sorte Kordia
Süßkirschen Ernte, Leitern schleppen Voller Einsatz für die Kirsche: Die Erntehelfer tragen ihre Leitern von Baum zu Baum

Ok, hab ich kapiert. Aber bei meinem Tempo wäre der Eimer erst in einer Stunde voll. Die Erntehelfer um mich herum haben ihren Spaß an mir… bei denen geht das schließlich ruckzuck, obwohl das ziemlich anstrengend ist, den ganzen Tag die Leiter rauf und runter zu klettern.

„Das sind doch wohl Pracht-Kirschen, was? Probier mal!“ sagt Philipp und hält mir eine handvoll Kirschen hin. Ich greife zu und wirklich: Ein toller Biss, intensiver Kirschgeschmack, fruchtig-frische Süße, festes Fruchtfleisch, die rote Frucht fast so groß wie eine 2-Euromünze. So schmeckt Regina, die Königin der Süßkirschen, wobei mir die Kordia ein paar Baumreihen weiter eigentlich genauso lecker schmeckt. Schwere Wahl.

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Handvoll Kirschen So sehen frische Knupper aus Deutschland aus

Wenig Kalorien, viel Vitamine & Co

Gesund sind Kirschen auch noch: Wenig Kalorien, aber dafür ordentlich Vitamine, Folsäure (ein Vitamin, gut für Schwangere) und Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen und Phosphor – so eine leckere Apotheke ist wirklich ein Wunder der Natur. Allerdings sollte man nicht mehr als ein halbes Kilo frische Kirschen auf einmal essen, das könnte Bauchschmerzen verursachen, wenn Magen/Darm mit der Verdauung nicht mehr hinterherkommen und es dort unangenehm bläht.

Süßkirschenernte Mansfelder Land Geübter Blick: Philipp Moser prüft die reifen Kirschen

Schutz gegen Vögel und Schädlinge

Ab und zu tutet es laut ganz in der Nähe. „Das ist unsere Vögelvertreib-Tröte, damit halten wir Vögel auf Distanz“, erklärt Philipp.„Und wie sieht es sonst mit dem Schutz vor Schädlingen aus?“, frage ich Philipp. „Natürlich schützen wir unseren Pflanzenbestand durch intelligentes, nachhaltig wirksames Spritzen mit entsprechenden Schutzmitteln. Wir liegen dabei um ein Vielfaches unter den gesetzlichen Höchstmaßen und achten sehr auf den Schutz der Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren. Z.B. richten wir uns beim Spritzen auch nach dem Flugverhalten von Bienen, um deren Lebensräume auf keinen Fall zu beeinträchtigen. Und das funktioniert sehr gut.“

Dachkirschen – eine sichere Ernte

Kirschenernte im Mansfelder land Überdachungen schützen vor Regen und Hagel – und einer miesen Ernte

Worauf Philipp besonders stolz ist, zeigt er uns weiter oben auf einer weiteren Plantage: eine riesige Fläche überdachter Kirschbaumreihen. „Unsere Dachkirschen“, lächelt Philipp, „sind quasi eine sichere Ernte. Die Überdachung verringert das Risiko einer Missernte durch Regen oder Hagel entscheidend und steigert auch noch den Ertrag.“ Jedenfalls ein gutes Argument für solch beträchtliche Investitionen, das Obstbau-Landwirte überzeugt. Auch wenn das nicht immer etwas für jedes Auge ist und sie das Landschaftsbild beeinträchtigen.

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Getränke aus Kirsche Aller guten Dinge sind drei: Mojito, Frozen Yoghurt und Kirschsorbet

So, nun aber zu Tisch! Etwas oberhalb vom Obsthof, mitten in der Plantage haben wir unseren Ernte-Tisch aufgestellt, um mit den erntefrischen Kirschen unser Vergnügen zu haben. Serviert wird uns eine Kirsch-Attacke der dreifachen Art. Während wir in der Plantage waren, hat uns Steffi, Philipps Mitarbeiterin, passend zur Sommerhitze drei oberleckere Erfrischungen mit frischen Süßkirschen zubereitet:

Frozen Yogurt mit frischen Süßkirschen

Zutaten für  25 Portionen: 225 g Frischkäse, Zimmertemperatur, 175 g weißer Zucker, 1EL Zitronensaft, 600 g griechischer Joghurt (10% Fett), 300 g frische Kirschen, entsteint

Zubereitung (in der Eismaschine): 

  • Frischkäse und Zucker in einer großen Schüssel verrühren,  alles gut vermischen. Zitronensaft unterrühren und dann den Joghurt in kleinen Portionen einarbeiten, bis die Masse weich und kremig ist. Zuletzt die Kirschen unterheben. Schüssel mit Plastikfolie abdecken und 1 Std im Eisfach abkühlen lassen
  • Abgekühlte Mischung in die Eismaschine füllen und nach Gebrauchsanleitung des Gerätes gewünschter Festigkeit einfrieren.
  • Bei der Zubereitung ohne Eismaschine die Masse 5 Std im Eisfach einfrieren, dabei jede Stunde einmal umrühren.

Sorbet von Süßkirschen

Zutaten für ca. 6-7 Kugeln: 450g frische Süßkirschen (ca. 415g ohne Stiele und Kerne), 80g Zucker, 1 TL Johannisbrotkernmehl oder Guakernmehl

Zubereitung (in der Eismaschine):

  • Die Süßkirschen von Stielen und Kernen befreien und zusammen mit dem Zucker in einen Topf geben. Auf kleiner Flamme langsam zu einem Kompott köcheln lassen. Im Anschluss die Masse pürieren und das Johannisbrotkernmehl einarbeiten.
  • Die Eisrohmasse im Eisfach relativ kurz herunterkühlen, die Eisrohmasse in der Eismaschine weiterverarbeiten.
  • Bei der Zubereitung ohne Eismaschine die Masse 5 Std im Eisfach einfrieren, dabei jede Stunde einmal umrühren.

Kirsch-Mojito

Zutaten für 2 Portionen: 120 g Süßkirschen, 4 El Limettensaft, 2 El Limejuice, (Sirup), 4 El weißer Rum, 150 g crushed ice, 8 Stiele Minze, 100 ml Sodawasser

  • Kirschen entsteinen und mit Limettensaft, Lime Juice, Rum und der Hälfte vom Eis in einem Blender fein pürieren. Je 4 Stiele Minze in zwei Gläser geben und mit einem Holzstößel im Glas andrücken. Kirsch-Mischung zugeben. Mit Sodawasser und dem restlichen Eis auffüllen und sofort servieren.

Vom Mojito beflügelt, geht es nun noch zum Kirschkern-Weitspuck-Wettbewerb. Na, wer hat wohl gewonnen? Klar, Philipp lag fast 2 Meter vorn. Er übt ja auch andauernd…

Vor dem Hofladen, mit Kirschen

Danke hier auch an die MEV aus Altlandsberg, die zuverlässig dafür sorgt, dass das leckere Obst vom Süßen See so schnell, frisch und lecker auch in unsere Supermarktregale der Hauptstadt gelangt. Die Knupper von Philipp wollen wir einfach nicht mehr missen!

Unbedingt besuchen: Hofladen vom Obsthof vom Süßen See

Am Seefeld 1, D-06317 Seegebiet
Mansfelder Land OT Aseleben
www.obsthof-aseleben.de

Philipps Tipps zum Kaufen und Lagern von Kirschen

 

Kauf: Nur frische Früchte kaufen: Pralle, glänzende Haut, Stiele sollten grün/ grünlich sein, und sich nicht leicht von der Frucht entfernen lassen. Aufgeplatzte Kirschen oder Kirschen ohne Stile nicht kaufen, sie können Pilze oder Keime haben und verderben viel schneller.

Verzehr/ Haltbarkeit: Kirschen reifen nicht nach, sie sollten daher sofort verzehrt werden. Im Kühlschrank bis 2 Tage in einer Plastikdose auf Papierkrepp aufbewahren. Nach 3 Tagen verlieren Kirschen ihren Glanz und ihr Aroma auch bei bester Fürsorge. Erst kurz vor dem Verzehr Früchte abbrausen und Stiele entfernen.